Sonntag, 13. September 2015

WEEKEND WARRIOR. Nicht jammern, sondern klammern!

Auch wenn ich schon während dem Studium immer viel zu tun hatte, so wusste ich doch kaum, was es bedeutete 9h täglich zu arbeiten. Am Abend müde zuhause anzukommen und kaum Zeit zu finden für das was für mich zum Lebenselixier geworden ist.
Mittlerweile lebe ich immer besser in diesem Rhythmus - ich bilde mir ein zum Weekend Warrior, zum Working Class Hero zu werden.


Nach einer langen Woche ging mir das Herz auf als ich endlich wieder, mit dem Crashpad auf dem Rücken, mit meinen "Luckypants" von Tirol Climbing auf der Brücke über den Bergbach stand, der den Parkplatz vom Wald trennt. Ich hatte Sarah und Claus im Schlepptau und hoffte heimlich, dass ich ihnen nicht zu viel vorgeschwärmt hatte und sie am Ende meine Begeisterung für diesen Wald und seine Felsblöcke nicht teilen würden, doch schon auf dem Weg über eben diese Brücke waren meine Zweifel wie weggewischt als ich ihre großen Augen sah, die gar nicht wussten wohin sie schauen sollten. Genau so hatte vor etwa eineinhalb Jahren wohl auch ausgesehen. 

Crossing the river.   Foto: Sarah.

Und noch immer kann ich mir ein Lächeln nicht verkneifen, wenn ich den Fluss, den Wald und die Berge ringsum sehe - kaum zu glauben dass ich jetzt nur eine kurze Autofahrt von dieser Schönheit entfernt lebe. Für mich wird es wohl immer etwas "magisches" bleiben. Magic Wood.

The view.   Foto: Sarah.

Ohne die Begleitung von weder Berni oder Fred, noch sonst jemand der sich auskannte versuchte ich den erfahrenen Führer abzugeben und führte Sarah und Claus zu den Bouldern die ich kannte oder von denen ich zumindest dachte sie wieder zuerkennen. Fast unvermeidlich verliefen wir uns natürlich trotzdem - aber einen schönen Block fanden wir trotzdem und probierten uns an der Linie darauf ohne zu wissen wie schwer oder leicht sie sein würde. Leicht war sie nicht. Nach einer Zeit gelang es uns, nach einigen erfolglosen Versuchen, doch den richtigen Start und die folgenden Züge auszutüfteln.

Unknown.   Foto: Claus.

Fettes Schweinchen (6B).   Foto Claus.


Wir stiegen in mir bekannte und unbekannte Boulder ein und genossen den Tag im Wald, doch ich wusste ich würde an diesem Tag nicht nach Hause fahren ohne einem ganz bestimmten Boulder einen Besuch abgestattet zu haben.
Scrubs (7A). Dieser Boulder, den ich im letzten Herbst zum ersten Mal probiert hatte und damals aufgrund des Regens hatte abbrechen müssen, von dem ich geträumt hatte und dessen Züge ich allein auf der Fahrt hier her rund 30 mal durchgegangen war.
Auch bei meinem letzten Kurzbesuch im Wald war ich hier gewesen und bis zum oberen Teil gekommen, hatte dann aber vor lauter Erstaunen losgelassen. Heute! ...

Ich stieg ein und spulte schnell und ohne viele Probleme die ersten Züge wie im Schlaf ab. Hook, hinauf zur abschüssigen Kante, mit der zweiten Hand dazu. Während der Hook weiter zieht, mit der rechten Hand auf etwas was man wohl kaum eine runde Leiste nennen kann als vielmehr eine Delle im Fels. Mit der linken Hand nachrücken und dann mit der rechten Hand hinaus zur kannte. Erst dann kann der Hook VORSICHTIG gelöst werden.
Doch so vorsichtig verhielt ich mich wohl nicht und lag plötzlich auf der Matte - trotzdem wusste ich, das ich ihm heute zu Leibe rücken würde. Heute war es soweit.

Scrubs (7A).   Foto: Claus.

Während ich Kraft sammelte, den Ausstieg testete - mich jedoch nicht traute über die „Platte“ hinaus zu steigen - erklärte ich Claus und Sarah die Züge. Ähnlich wie ich waren beide so gefesselt von dem Boulder, dass sich Claus beim Hooken die ganze Ferse aufriss ohne sich groß darum zu scheren. Lediglich einmal nahm er Notiz vom Blut an seinem Bein, was Sarah nur mit den Worten abtat: „Nicht jammern - klammern!“
Ich musste lachen, jedoch wurde mir im selben Moment bewusst wie passend dieser Satz für diese Route war. Es erfordert eine ganze Menge Kraft und eine noch größere Portion Körperspannung sich an der Auflegerkante entlang zu hangeln, nur am Hook hängend.

Mit diesem Motto im Kopf stieg ich erneut ein, obwohl ich den Ausstieg noch nicht versucht hatte und mir bewusst war, dass dieser wie so oft die größte Hürde für mich darstellen würde. Von einem guten Griff und einem mäßigen muss man den linken Fuß hoch um die Kante auf einen für mich deutlich zu unsicheren Tritt stellen. Anschließend schiebt man das komplette Gewicht auf den Fuß und steht auf um dann zur Kante, dem Top, zu greifen und auszusteigen. Aber genau dieses Aufstehen war das was mir etwas Unbehagen bereitete. Doch daran wollte ich in diesem Moment nicht denken.

Scrubs (7A).   Foto: Claus.

Als ich meinen Hook löste und umstieg konzentrierte ich mich auf jeden einzelnen Zug und als ich soweit war den Fuß um die Kante stellen zu müssen tat ich es einfach und schob mich hinaus. Ich griff etwas, das mir als Minileiste beschrieben worden war und tatsächlich noch einiges weniger als das war. Dann kam ich schon mit der rechten Hand zur Kante. Ich stieß einen Jauchzer aus und stieg aus. 
Sarah was sending.
Als ich grinsend auf der anderen Seite den Block wieder hinab stieg und zu den Beiden zurück ging zitterte ich leicht und konnte es kaum glauben, dass ich diesen Boulder endlich bezwungen hatte. Eine Italienerin die mit ihrem Begleiter zugesehen hatte gratulierte mir und sprach ihren Respekt aus. Für mich verschwamm der Nachmittag ab diesem Moment in einem Glücksgefühl.

The Wave (6A+).   Foto: Claus.


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ENGLISH

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I finally feel like a weekend warrior as I am spending my weekends outdoors climbing. I guess that this is what it feels like to be a working class hero ;)

After a long week my heart was rejoicing when I stood on the bridge that crosses the river connecting the road on the one side to the magical forest on the other side.
I had my crashpad on my back and I was wearing my "luckypants" by Tirol Climbing.
I secretly hoped that i had not overselled the wood to Sarah and Claus who were accompanying me. Yet, walking over the bridge I saw the look in their eyes which probably meant they were just as overwhelmed as I was one and a half years ago.
Even now, I cannot help but smile looking at the beauty of this river, the wood and the mountains around. To me it will always be somewhat magical. MAGIC WOOD.

The river.   Foto: Sarah.

We strayed through the forest and tried this and that and just enjoyed being in the forest. Still, I knew that I could not go home without paying one particular boulder a visit.
Scrubs (7A). Since I first tried this boulder last autumn, I dreamed of doing it and just on the drive here I imagined every move probably a hundred times.
During my short stay the week before I tried "Scrubs" and reached the upper part of it, yet, I was so startled that I let go. But today...

The first moves I did almost in my sleep: Hook, up to the downward sloping edge, the second hand as well. Leaving the hook pulling strongly you go further with your right hand to a slopy round thing that is not more than a dent in the rock. Move up with the left hand and then reach with the right one to the edge. Not until then you CAREFULLY remove the hook.

Well, I was not that cautious and suddenly found myself back on the mat. Nevertheless I knew that today would be the day that I defeated the beast.

Scrubs (7A).   Foto: Claus.

I tried the exit of the route but I could not find the courage to do it. While I was gathering my strength I advised Sarah and Claus on how to do the route. Just like me they instantly loved the boulder, so much so that Claus teared open the skin around his heel without even caring about it. Just one small comment of him on the blood was brushed away by Sarah saying: "Nicht jammern - klammern!" 

Well, that one would not rhyme in English so why translate ;) But it losely means something like don't moan about it but just keep going.

This sentence is just so true for that boulder since it is taking up so much power and even more of of your core strength when you layaway on the edge just hanging on that one hook.

Keeping this motto in mind I started another try even though I had not done the exit, knowing that it would be the biggest hurdle for me.
With the food on a (to me) precarious foothold you have to shift all your weight to that food, then stand up with hardly anything to hold on to. Only when you stood up you are able to reach the final hold. 
Standing up was what I was worried about - but at that time I did not even what to think about that.

Scrubs (7A).   Foto: Claus.

When I released the hook and put my foot on the next hold my head was empty, I just concentrated on every next move and when I reached the part where I had to place my foot around the edge and stand up - I just did it, grabbed something that was described to me as a microcrimb and really was not more than that. Then i reached the top with the right hand. I let out a jubilant cheer and got out of the route.
Sarah was sending.
I went down in the back of the boulder and with the biggest smile on my face and still a little shaky I returned to to the others.
An Italian Woman that had been watching together with her companion gratulated me and told me how much respect she had for what I just did.
For me, the rest of the day blurred into happiness from that point.

Fettes Schweinchen (6B).   Foto Claus.

THE LOVE.   Foto: Claus.



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