Donnerstag, 26. Februar 2015

OUTDOORS AGAIN // DIRTBAG LIFE PT. 5

Sarah in front of the rock(s).


Es war viel zu lange. Viel zu lange war ich nicht mehr draußen Bouldern. Oh wie ich es vermisst habe!
Um der eisigen Kälte und der Schnee in der Schweiz aus dem Weg zu gehen fuhr ich mit Berni etwas weiter in den Süden - Varazze. Diese kleine, italienische Stadt direkt am Mittelmeer ist genau das Richtige für einen winterlichen Bouldertrip, besonders für all diejenigen, die nicht bei Minusgraden klettern wollen.


in front of Vaporetto [6B+_Varazze]   Foto: Berni.


Nach der langen Hallen-Zeit habe ich nichts dringender gebraucht als Felskontakt.
Kalter, rauer Granit - das ist das Bouldern in Varazze. 
Doch Bouldern in Varazze ist auch auf der Suche nach einem Führer von Bar zu Bar geschickt zu werden und festzustellen, dass dienstags in Italien offensichtlich niemand arbeitet...
Auch per GPS war die Suche nach den Blöcken wenig erfolgreich. Frustriert und genervt nach einem Tag Suche fuhren Berni und ich doch noch ins 50km entfernte Finale Ligure wo wir dann endlich einen Führer kaufen konnten.
Früh am nächsten morgen ging es dann schließlich wirklich los.


windy.

Mit unserem, für die italienischen Sträßchen viel zu breiten Auto schlängelten wir uns langsam zum größten und ergiebigsten der Sektoren Varazzes - Potala, der unter anderem die berühmte Linie "Goia" (8C+) auf einem gruselig hohen Felsen beherbergt.
Im Wald lagen die Blöcke den Fluss entlang verteilt und gaben ein wunderschönes, von mir so sehnlichst vermisstes Bild ab. Was im Füherer allerdings schwer zu erkennen war - einige der Blöcke waren absolut außerhalb der Höhe die ich als komfortabel zum Bouldern finde... ich werde mich wohl nie überwinden können (und sei die Route noch so schön) an der oberen Kante eines 5m hohen Blockes entlang zu traversieren.



That huge gorgeous bloc.

Stattdessen beschloss ich langsam anzufangen und so stieg ich in "Esilio" (6B) ein. Wunderschöne Kletterei auf einem kleineren Block. Sarah was sending. Und das steigerte meinen Hunger auf's draußen Bouldern noch mehr.



Elisio [6B _ Varazze]   Foto: Berni.

Schon angenehm erschöpft versuchte ich mich am Abend noch an "Kali" (7A) einem kurzen aber kraftintensiven Boulder. Nach einem halb liegenden Start kreuzt man auf zwei mäßig gute Leisten nur um dann in ein 1-bis-2-Fingerloch weiterzugreifen - von dort dann "nur" noch höher steigen, Schwung holen und weiter raus auf einen Aufleger greifen. Dann in einem kleinen Sprung weiter auf den nächsten Aufleger. Abschließend von diesem Aufleger einen kleinen Push-up um die Füße zur Hand zu bringen und auf dem Absatz zu stehen...na toll...
Ich habe getan was ich konnte, doch schon das Fingerloch konnte ich beim besten Willen nicht halten - noch konnte ich mir vorstellen von dort meinen Fuß höher zu setzen und auf den Aufleger zu feuern.
Zu meinem Erstaunen machte mir diese Erkenntnis weniger zu schaffen als ich es sonst von mir selbst gewohnt bin. Ich war einfach nur glücklich draußen sein zu können. Ich konnte das Bouldern wieder unglaublich genießen, mich in meine steigende Motivation fallen und von ihr tragen lassen.

So gelang mir sogar vor Berni der etwas riskante und ungemütliche Ausstieg von "Koala" (6C). Sarah was sending...first ;)


Koala [6C_Varazze]

Ich will damit nicht sagen, dass ich bei diesem Trip nicht alles gegeben habe - trotzdem habe ich das Gefühl, dass man manches Mal - gerade in Varazze - der eigenen Kraft und der Haut auf den Fingern zu Liebe einige Boulder auch mal als Projekt für's nächste Mal lassen können muss. 
So ging es mir zum Beispiel mit "Muschio" [7A] einem unglaublich kraftigen Boulder auf einem einzigartigen Block am Fluss.



Muschio [7A_Varazze]

Schon der Startzug vom inneren der Höhle zur unteren Kante des Blockes fühlte sich für mich schier unmöglich an. Ich drehte mich rechts und links, setzte Hooks über meinen Kopf - nichts schien es mir zu erlauben diesen Zug zu machen. Also startete ich an der unteren Kante. Trotzdem war der Boulder extrem kraftintensiv und der Ausstieg um die runde Kante wollte mir einfach nicht gelingen. Also beschloss ich nach einigen Versuchen meine Kraft zu sparen. Aber dieser Boulder wäre definitv nochmal einen Besuch wert.

Am letzten Tag suchten wir uns den Sektor Eden aus. Auch hier liegen die Blöcke direkt am Fluss. Großartige Blöcke.



Thrilladen [7A_Varazze]   Foto: Berni.


In diesen schönen Überhang "Thrilladen" (7A) wollte ich sofort einsteigen. Wieder ein Boulder der Kraft und Haut kostet - nicht zu vergessen der Mut der einem beim Ausstieg abverlangt wird. Man steigt über eine runde Kante noch gut 1,5m hinaus, wissend dass es unmittelbar hinter einem direkt 8m in die Tiefe geht. Ohne mich.
Trotzdem wollte ich mir diese schöne Linie nicht nehmen lassen und beschloss darum sie bis zur Kante, ohne Ausstieg zu machen. Leichter gesagt als getan - denn was zuerst recht leicht aussah kostete mich beinahe alle Kraft, ebenso den Willen die kleinsten Leisten trotz schmerzender Finger zuzuschrauben und nicht loszulassen. Doch ich wusste, dass ich es konnte wenn ich nur bereit war durchzubeißen. Also tat ich was nötig war. Hook, Toehook, dynamisch, statisch und mit aller Kraft die ich aufbringen konnte. Sarah was sending. Einfach großartig.


Thrilladen [7A_Varazze]   Foto: Berni.

Sollte ich abschließend noch etwas sagen?
Varazze ist gerade im Winter ein wunderbares Ziel und vor allem gut mit deinem Sportkletterurlaub in Finale Ligure zu kombinieren. Der Fels variiert von scharfem Granit über Konglomerat bis hin zu verwaschenen, runden Blöcken. Allerdings musste gerade ich mich, vom Magic Wood verwöhnt, daran gewöhnen von Sektor zu Sektor gut 20km auf den schmalsten Straßen zu fahren. Also das Wohnmobil vielleicht lieber zu Hause lassen - und nicht vergessen vorher einen Führer zu kaufen.

Trotz einiger Umstände hat mir dieser Trip wieder Kraft und vor allem Motivation gegeben. Auch mit rosa Fingerkuppen und daher schmerzenden Händen hänge ich unglaublich gerne auf diesen Felsblöcken. Die Bewegung lässt mich alles andere vergessen und ist das nicht das was Sport zum Lebenselexier macht? Die Tatsache, dass man sich in diesem Moment auf nichts anderes konzentrieren muss - das ist es was mir Kraft gibt. Das ist es wofür ich trainiere.




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ENGLISH

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It has been way too long since I have been bouldering outdoors. I missed it so much!
To avoid snow and ice I in Switzerland I drove southbound towards the mediterranean sea - VARAZZE.  A beautiful, little italian City, just perfect for a winter-boulder-trip, especially if you are not so much into bouldering at sub zero temperatures.



beautiful italian landscape in the sunlight


For me there was nothing more important than getting outdoors. Feeling the cold, rough granite rocks after such a long time in the climbing gym. 



in front of Vaporetto [6B+_Varazze]   Foto: Berni.

Unfortunately though, it was not that easy to start climbing. I searched the whole city and the suburbs for the guide book. Apparently italians do not work on tuesdays....
Slowly accepting the fact that I would not get a guide book until the next day I tried searching the rocks via GPS. I only found some rocks that were completely overgrown and covered in moss - which meant I did not recognize them for the routes that they were.
Frustrated and bugged out after a day of searching I decided to drive to finale ligure - there I eventually found a shop that was open and had the guide book.
The next morning I was finally able to start bouldering.



windy.

Well, after Berni and I made it safely up the narrow roads with our car...we chose the sector Potala for our first day. It is the biggest and the most efficient of all the sectors in Varazze, plus it has one of the most famous routes in the world: "Goia" (8C+). Which I decided not to try just yet ;)

The boulders are just lying in the forest next to the river - it is just a gorgeous picture. A picture that I have been missing terribly.
However, some of those rocks were alarmingly high - I am just not comfortable of a traverse along the edge of a rock that is about 5 meteres high...even if that line is as beautiful as this one.


huge boulder.

Instead I did "Esilio" - a beautiful 6B route on a smaller block. Sarah was sending - and that fueled my desire to bouldering outdoors even more.



Elisio [6B _ Varazze]   Foto: Berni.

What I also tried was a short 7A "Kali", very powerful. Small crimps and an even smaller fingerhold from where you have to reach out to the round edge, then pull up the feet...well, I tried my best but I just was not able to controll this tiny hold with my finger and then reach even further.
Surprisingly, I was not even frustrated that much when I realized that I could not do the boulder. I was just so happy about being outside, bouldering. During these days in Varazze I was able to simply enjoy climbing and let myself get carried away in motivation.
It was that motivation that made me top out another, kind of scary boulder "Koala" (6C) even before Berni did. Sarah was sending....first ;)

I do not want to make it seem like I did not give my best during this trip. Still, I believe that sometimes it is good to know when it is the time to safe up your energy and skin and leave a project for the next visit.
This is why I left "Muschio" (7A), an amazingly powerful route on a unique block next to the river, without sending it.




Muschio [7A_Varazze]

The first move already made me wish I was a little taller - I just could not reach the lower edge from inside the cave. The rest of the boulder was still very powerful so that I was not able to top out over the round edge. After several unsuccessful tries I made the decision to save up my power.

We spent the last day in the sector Eden, another one of my favorite sectors in Varazze. It has just gorgeous boulders.


Thrilladen [7A_Varazze]   Foto: Berni.

Like this one. "Thrilladen" (7A), again very powerful and takes a toll on your skin. Not to mention how brave (and a little insane) you have to be in order to top out, knowing that right behind you there is a cliff going down about 8 meters. Not for me!
Yet, since I absolutely loved the looks of this route - I had to at least try. So I decided that I would do it just up to the round edge, without toping out. 
Well, it was easier said than done. It took me all the power I had, plus I had to commit to pinching those small crimps even if my fingers hurt so much. I exploited my whole repertoire: hook, toehook, dynamic moves, static and all the energy I had.
Sarah was sending. And it was amazing.


Thrilladen [7A_Varazze]   Foto: Berni.


So what is left to say?
Varazze is defenitely a great destination in the winter. The rock variies from sharp granite, to conglomerate and sometimes even totally round, washed out boulders. There is something for everyone. However, getting to the boulders is not always that easy, especially since the roads are very narrow - so better leave your camper at home...
Being used to Magic Wood bouldering where you just park your car and do not move it until you drive home, it was kind of annoying for me having to drive about 20km from one sector to another. Yet, it is worth it - but do not forget to bring a guide book ;)

Despite the obstacles this trip helped me regain my power and motivation. Even if my fingertips are pink and hurt I still enjoy hanging on those rocks. The climb makes me forget everything else - and isn't that what sport is all about? The fact that in that moment nothing else is important. That is what gives me strength. That is why I am training.







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