Montag, 2. Juni 2014

FELBERTAUERN // DIRTBAG LIFE PT. 2

Sarah on the Rock.  Foto: Berni.

Für mich gibt es wirklich kaum Schöneres als das Auto mit allem Nötigen zum Klettern, Schlafen und Essen voll zu packen und für einige Tage weg zu fahren. Einfach mal raus kommen, neue Gebiete testen und einen auf Dirtbag machen.
Ganz nach diesem Motto zog es uns dieses verlängerte Wochenende in die Felbertauern.
Scheinbar wenig gelernt von unserem Magic Wood-Trip fuhren mein Freund und ich ohne Topo oder einen genaueren Blick aufs Wetter los. Fatal. Denn das Wetter in den Tauern folgt nun mal ganz eigenen Regeln. Auch wenn überall strahlend die Sonne scheint können in den Tauern die Regenwolken hängen.
Als wir am Freitag quasi schon beschlossen hatten den Trip vorzeitig abzubrechen riss der Himmel auf einmal auf und die Abstände zwischen den Regenschauern wurden länger. Also blieben wir.

Am Samstag wurden wir mit perfekten Bedingungen belohnt. Alle Boulder waren über Nacht getrocknet – ein wunderbarer Vorteil von Gneis.
Wir starteten hoch in den Wald, meiner Meinung nach der schönste der drei Sektoren. Wohin das Auge reicht liegen Blöcke im Wald bei denen einem schon beim Anschauen die Hände kribbeln.

Ich versuchte mich an Roxanne [6C+] einem kurzen Boulder mit gemeinem Ausstieg. Von zwei mittelmäßigen Auflegern und schlechtem Hook auf der Kante muss man einen Mantler vollziehen wie er im Buche steht. Ich schaffte es bis zum Schluss nicht, mich einmal nicht selbst mit der Hand so zu blockieren, dass ich mich über den Hook schieben konnte. Nichtsdestotrotz ein cooler Boulder, weil er unglaublich vielseitiges Können erfordert. Tiefer Sitzstart, Leisten anknallen, Aufleger halten, Mantlen – von allem etwas.


Manic Street Preachers [6C+] _ Felbertauern.  Foto: Berni

Mich zog es zu „Manic Street Preachers“ [6C+]. Start auf zwei Leisten und mit hohem Hook weit hinauf auf die nächste Leiste. Dazugreifen, weiter auf erneut zwei Leisten und dann aussteigen. In der Theorie völlig klar und unten heraus auch wunderschön zu klettern. Leisten herknallen ist das was ich kann und liebe, aber dann der Ausstieg...der verlangte mir alles ab. Um die Kante herum muss man hoch auf Reibung ansteigen während man zwei mäßige Griffe in der Hand hat und sich dann trauen das Gewicht auf den rechten Fuß zu bringen um zum rettenden Griff schnappen zu können.


Mütze ist zu viel Balast.  Foto: Berni.

So schwer ich mir tat, umso glücklicher war ich dann, als ich mich endlich überwand und den Boulder ausstieg. Sarah was sending. Großartig war der Boulder für mich vor allem deshalb, weil er mich schon recht nah an meine Komfortgrenze brachte. Ich muss zugeben ich bin schon etwas stolz, dass ich ihn ausgestiegen bin.


Manic Street Preachers [6C+] _ Felbertauern.  Foto: Berni.

„Kotobuki“ [7A] ist ein Boulder dessen ungewöhnlichen Namen ich mir auf jeden Fall merken werde. Ein 1-Zug-Problem. Mit meiner Abneigung gegen dynamische Züge natürlich genau das Falsche...nach einigen statischen Versuchen und allmählich schmerzenden Fingerkuppen vertröstete ich mich auf den nächsten Tag in der Hoffnung, dass ich dann den nötigen Mut aufbringen würde den Impuls mit dem Fuß für den dynamischen Griff zum Top zu geben. Ein Zug den ich Samstagnacht im Traum sicher 100 Mal machte. Aber wie schon erwähnt wären die Tauern nicht die Tauern wenn es nicht hin und wieder regnet und so hinderte mich der nächtliche Guss an einem erneuten Versuch.
Aber schon jetzt bekomme ich beim daran denken wieder unglaublich Lust in den Boulder einzusteigen – weil ich weiß, dass er mir etwas abfordert, dass ich draußen am Fels ungern mache. Diesen Boulder abzuziehen würde bedeuten ich wäre meiner Angst wieder etwas voraus.
Deshalb am liebsten gleich nächstes Wochenende nochmal hin!


Mattenlager.  Foto: Berni.

Trotz des Wetters hat sich der Trip voll ausgezahlt. Weil es einfach schön ist in lässiger Runde Boulder für Boulder zu probieren, verschiedene Varianten zu testen und sich gegenseitig anzufeuern.
Mit Alex und Daniels Begleitung wurden Chris, Berni und mir als Boulderer recht schnell wieder unsere Grenzen aufgezeigt. Seilkletterer steigen Routen einfach auf eine ganz andere Art und Weise. Überlegt und kontrolliert. Statt einfach nur mit Kraft von Griff zu Griff zu reißen sah ich bei den beiden vor allem, dass sie ihre Kraft für jeden Zug nur portionsweise ausgaben, sich die Griffe und Bewegungen genauer anschauten und überlegten. Beeindruckend und beneidenswert. Ohne Zweifel kann sich da der ein oder andere Boulderer eine Scheibe davon abschneiden.
Mir hat das mal wieder gezeigt wie wenig Weitblick ich leider oft beim Bouldern habe. Die Motivation lässt mich oft viel zu hastig und unüberlegt in eine Tour einsteigen und dann lähmt mich das Erstaunen wenn ich weiter komme als erwartet.
Aber nicht nur dass, auch die Tatsache dass die Beiden in egal welcher Höhe einfach die Ruhe bewahren und nicht auf einmal beginnen unüberlegt irgend etwas anzusteigen, beeindruckt mich.
Kletterintelligenz ist sicher das Wort das über dem ganzen Trip stand – eine Fähigkeit, die bei mir definitiv noch viel Luft nach oben hat.

Allem voran hindert mich aber vor allem die Angst daran meine Möglichkeiten bouldertechnisch voll auszuschöpfen. Ich glaube ich habe es im letzten Eintrag schon geschrieben. Es gibt einfach Züge oder Momente in denen mein Kopf zu macht und in denen ich mich dann nur schwer vom der Frust zurück halten kann. Kraft kann man trainieren - aber so braucht es mentale Stärke und Überwindung. Ich befürchte das wird viel Arbeit werden. Arbeit, die aber unumgänglich ist, wenn ich weiter kommen möchte.


Ach, und was wäre ein Boulder-Trip, wenn man dann nicht beim heim fahren noch einen kurzen Stop im heimatlichen Gebiet macht.  


Ziag ob [7A] _ Maltatal.  Foto: Berni.

Kommentare:

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  2. i did not know that blowtorching might damage the rock. Thank you for this link, i will definitely share this information among my friends. Never ever will i use a blowtorch again in order to dry a hold!!!

    cu

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