Freitag, 9. Mai 2014

MAGIC WOOD - DIRTBAG LIFE PT. 1

Das Schild das jeder kennt.


Ein Name, der jedem Boulderer das Wasser im Mund zusammen laufen lässt. Jedes Jahr zieht es über 15.000 Kletterer in den kleinen Ort Außerferrera im Averstal in der Schweiz.
Über Ostern dieses Jahr war es auch für mich soweit. 7,5 Stunden trieb ich unseren voll gepackten Volvo über die Straßen bis wir schließlich von der Autobahn runter, die Bergstraße hinauf auf den Bodhi Campingplatz rollten. Für April war dort schon ziemlich viel los, vor allem wenn man bedenkt, dass es zwischen durch immer wieder schneite.

Am nächsten Morgen wurden wir von strahlendem Sonnenschein geweckt, der unsere Energietanks füllte und uns nur noch heißer machte endlich in den Wald zu starten. Langsam wurden alle wach und es war geradezu spürbar, dass jeder, egal wie kalt einem in der Nacht gewesen sein mochte nur noch an eines denken konnte.
Das Geschirrwaschen behielten wir uns für den Abend auf, schulterten unsere Crashpads und machten uns voller großer Erwartungen auf – über die Brücke in den legendären Wald.


Weg in den Wald.


Der Zustieg war trotz stellenweise Eis und Schnee schnell geschafft und nach nicht einmal 5 Minuten fanden wir schon den ersten Block, den man sonst nur aus Youtube-Videos kannte: der „Bruno-Block“, auf dem sich nicht nur „Supernova“ [7C/+] und „unendliche Geschichte“ [8B+] sondern auch einige anderen, eher schwere Linien befinden.
Für mich war die ganze Situation zu diesem Zeitpunkt noch ziemlich surreal – wo es das erste Mal war, dass ich in einem weltbekannten Spot bouldern ging.
Wir folgten dem Weg weiter, verfluchten dann jedoch recht bald die Entscheidung gegen den Kauf eines Boulderführers – in einem Anflug von Sparsucht hatten mein Freund und ich uns lediglich die gratis Topo aus dem Internet ausgedruckt, die uns blöder Weise nicht nicht viel weiter half. Lediglich die bekletterbaren Felsen sind eingezeichnet, weshalb wir einige Male wohl etwas verloren im Wald herum irrten.

Irgendwann gelang es uns dann doch einen Boulder ausfindig zu machen, den wir probieren wollten: „Sloppy Joe“ [7A+]
Wow, dieses Biest! Besteht eigentlich nur aus einem wirklich schwereren, weiten Zug, der Rest ist ohne Probleme machbar – trotzdem bleibt eben dieser Zug zur Kante einfach immer ein bisschen zu weit.
Auch Armin und Fred, die wir später kennen lernten, hatten den Boulder nicht geschafft und schmunzelten deshalb bei unserem Erwähnen nur vielsagend. Zu unserem großen Glück hatte Fred eine Topo und kannte sich im Gebiet aus, was es uns die folgenden Tage um einiges leichter machte.
Wir versuchten uns an sämtlichen Bouldern im siebten Grad – von denen es wirklich zuhauf gibt. Ob Leisten-knallen, Platten-, Sloper- oder „Kühlschrank-Boulder“, wie Fred zum Beispiel den Linzer-Boulder nannte, es blieben keine Wünsche offen.

Völlig zum Unverständnis der Anderen hat es mir vor allem „Crimpophobia“ [7B] angetan. Schlicht und einfach, weil es ein Boulder ist, der die Dinge verkörpert die mir liegen. Kleine Leisten, die nur darauf warten richtig angeknallt zu werden, kurze Züge und nicht zu vergessen, eine niedrige Ausstiegshöhe. Ein Boulder den ich so anziehend fand, dass ich mich bis zum Versagen der Haut darin verbiss.

Ein anderer Boulder, der genau das erfordert, was mir Spaß macht ist „die Schöne“ [6C] und dieser Titel passt wie die Faust aufs Auge. Schöne Bewegungen, Leisten, ein (für kleine Menschen wie mich) dynamischer Zug zum Top und ein lässiger Ausstieg. Einfach schön. Nicht lange fackeln und den Boulder flashen, so taugt mir das – Sarah was sending.


Die Schöne [6C] _ Magic Wood.  Foto: Philip.


Im wahrsten Sinne des Wortes großartig ist der „Piranha“ [7C+]. Obwohl ich wusste, dass der Schwierigkeitsgrad zu hoch für mich war konnte ich nicht anders als einsteigen. Fließende Bewegungen auf kleinen Leisten ließen mich jegliche Höhe und auch die etwas abschüssige Dropzone vergessen. Am Ende des Tages war ich einfach nur stolz alle Züge bis zur Schlüsselstelle gemacht zu haben.

Nach dem ich am vierten Tag zugegebenermaßen etwas enttäuscht war, noch nicht viele Boulder geschafft zu haben gingen wir zum „Traumfänger“ [6C+]. Sarah was sending – aber es war eine schwere Geburt. Dynamische, weite Züge auf Aufleger sind mit Abstand eine meiner least favorites. Damit ist der „Traumfänger“ ein krasser Gegensatz zu „die Schöne“. Ein Boulder bei dem mich vor allem der erste Zug Kraft und Nerven kosteten.Trotzdem konnte und wollte ich nicht aufgeben und war dafür um so glücklicher als ich auf dem etwas moosigen Top stand.

Wenn man am Abend völlig fertig und zum Teil durchgefroren wieder zum Campingplatz kommt könnte man sich schon nach einer Dusche sehnen. Stattdessen wuschen wir unsere Füße im eiskalten Brunnenwasser, machten uns etwas zum Essen und setzten uns dann noch zum Aufwärmen eine Runde in Fred's VW-Bus den wir durch Tee kochen warm hielten.

Das Campen ist am Bodhi Campingplatz wirklich wunderbar und billig möglich (5 SF/Person und Tag). Vorausgesetzt, man hält es einige Tage ohne Dusche aus, ansonsten kann man für diese im Gasthaus Edelweiß auch bezahlen. Für uns war es eine weitere willkommene Gelegenheit zum Aufwärmen und wir duschten bis wir hochrote Köpfen hatten – im Sommer tut es der Fluss wohl mindestens genau so gut.
Ansonsten ist für die wichtigen Bedürfnisse gesorgt, es gibt Dixies und zwei Hütten in denen man in Ruhe kochen oder mit den Anderen zusammensitzen kann. Im Frühjahr lockt am Abend natürlich das Lagerfeuer.
Ich würde auch auf alle Fälle empfehlen mindestens für 3 Tage hinzufahren, da man doch 1-2 Tage braucht um sich an Boulder und Fels zu gewöhnen.

Trotz Kälte und sogar Eis im Inneren des Autos war dieser Trip mit Abstand mein Bester bisher und kann nur schwer überboten werden. Der Wald ist, wie er schon heißt, einfach magic und atemberaubend schön. Von den Blöcken, von denen der Wald geradezu übersät ist bekommt man schon vom Anschauen einen gefühlsmäßigen Höhenrausch und es ist großartig Menschen kennen zu lernen, die genau wie du nichts schöneres kennen, als morgens aufzustehen um bouldern zu gehen und draußen zu sein.


Bosnierblock [6C] _ Magic Wood.  Foto: Philip.

King Kong [7A+] _ Magic Wood.  Foto: Philip.

Blick aus dem Wald.

Der Fluss.



1 Kommentar:

  1. camping ohne dusche - geilo! das gegenteil vom pussy-glamping :D

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